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1. Tag Darmstadt - Lichtenberg

Los geht es gegen 8:30 in der Löffelstraße. Zunächst geht es in die falsche Richtung zum Gemeindehaus, um mir dort meinen Startstempel auf den Pilgerpass geben zu lassen. Danach (in die richtige Richtung) zu Burkhard, um mir noch ein Rezept für die Reiseapotheke zu holen und mich zu verabschieden. Dann treffe ich Manfred und Elfriede in der Erbacher Straße, die mich mit dem Fahrrad zur Stadtgrenze begleiten wollen. Am Woog treffen wir eine Kindergruppe mit drei Erzieherinnen. Es entspannt sich ein kurzer Dialog:
"In Darmstadt gibt es doch keinen Jakobsweg"- "Doch, meinen"
"Ja wo wollen Sie denn hin?" - "Nach Santiago"
"Von wo aus?" - "Von hier"
"Ich will mit", "Ich auch"
Am Vivarium treffen wir Ingo mit Hund, der mir mit dem Taschentuch nachwinkt (nein, nicht der Hund, Ingo natürlich). Danach stößt Elsie mit dem Fahrrad zu uns und bringt mir noch ein paar Müsliriegel mit. Am Birkenwasser verabschiede ich mich von Elsie, Elfriede und Manfred und mache mich auf den Weg in Richtung Ober-Ramstadt. 

Unterwegs läuft mir im Walde entweder ein genmanipuliertes Riesenkarnickel oder ein wahrhaftiger Feldhase über den Weg. (Vielleicht haben sie sich in den Wald verzogen und werden deshalb auf dem Feld immer weniger gesehen). Ich erreiche den Waldrand vor Oberramstadt und mache erst mal eine Pause auf der Bank (Bild: Blick nach Oberramstadt). Danach geht es in Richtung Rohrbach, wo ich beim Las Palmas kurz klingele. Jesus (so heißt der Spanier) öffnet mir und reicht mir als Erfrischung eine Apfelsaftschorle, statt dem am Freitag von Maria angedrohten Cafe. Ab in Richtung Groß-Bieberau. Am Waldausgang treffe ich Gertraud (deren Bruder Helmut noch gestern bei mir auf dem Abschiedsfest war) und ihren Mann auf dem Weg zum Walken. Groß-Bieberau, mein Geburtsort, betrete ich über die Flurbachstraße. Dort wohnt noch Lydia. Sie und ihr Mann waren gute Freunde meiner Eltern. Ich klingele kurz, sie schaut vom Balkon, erkennt mich aber erst, nachdem ich mich mit Namen gemeldet habe. Sie versorgt mich mit einer kühlen Flache Wasser und nachdem alle Familienneuigkeiten ausgetauscht sind, mache ich mich weiter auf den Weg. Ich gehe kurz an der Bäckerei vorbei, wo meine Eltern sich während des Krieges kennengelernt haben und halte dann auf dem Friedhof eine kurze Andacht an ihrem Grab. Dann geht es weiter zum Campingplatz Fischbachtal. Unterwegs fängt es an zu nieseln und auf dem Campingplatz richtig an zu regnen während ich mein Zelt aufbaue. Ich trinke noch 2 Flaschen Bier und knabbere eine Tüte Erdnüsse (essensmäßig ist hier absolute Vorsaison). Vor dem Zelt überlege ich kurz wie ich im Regen die Klamotten wechseln soll (in dem kleinen Tunnelzelt geht das überhaupt nicht), werfe mich dann aber in voller Montur auf die Isomatte und decke mich mit dem aufgetrennten Schlafsack zu. Als kurz nach 20:00 Thomas vorbeikommt, um mit mir noch ein Bierchen zu trinken, ratze ich bereits hörbar tief und fest und er traut sich nicht mich zu wecken.

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Ich wache um 7 Uhr auf, der Regen hat aufgehört, ich schäle mich aus dem Zelt und gehe mit einer Duschmarke bewaffnet zur Dusche. Auf dem Duschmarkenkasten finde ich einen ökologischen Hinweis, dass ich mit der Duschmarke 7 Minuten warm duschen kann und sogar zwischen drin die Dusche abstellen kann ohne dass diese Zeit abgebucht wird. Nach kurzer Warmdusche seife ich mich gründlich ein und stelle die Dusche wieder an. Nichts passiert – kein heißes Wasser – kein kaltes Wasser – nichts. Da stehe ich nun, ich Schaumgeborener. Ich nehme das Handtuch, das mir Horst und Gaby noch am Samstag geschenkt haben und mit dem man angeblich sogar ein Pferd abtrocknen könne. Es reicht für mich und den Schaum. Im spüle mir am Waschbecken noch kurz die wenigen Haare durch. Dafür reicht das Handtuch dann auch noch. Ich hole meinen Rucksack aus dem Zelt und lege ihn unter ein trockenes Vordach. Stück für Stück hole ich meine Sachen aus dem Zelt und verstaue sie im Rucksack. Dann wird das Zelt von den Heringen befreit, als Ganzes hochgehoben, die Wassertropfen abgeschüttelt und auch unter das trockene Vordach verfrachtet. Der Kiosk ist offen. Das Frühstück besteht aus 2 Kaffee und 2 frischen unbelegten Brötchen (Vorsaison), sowie des Versuchs einer Erklärung des Duschmarkenzwischenfalls.

Das Zelt wird eingepackt und auf den Rucksack geschnallt, dieser geschultert und aufwärts geht es in Richtung Lichtenberg. Nach kurzer Wegstrecke schon die erste Zwischenrast am Eselsbrunnen für ein Foto des Bollwerks . Oben in Lichtenberg angekommen zeigt das Wegzeichen nach links und nach rechts. Mein Bauchgefühl und die Himmelsrichtung sagt links, die Karte rechts. Ich gehe nach rechts. Nach wenigen Metern merke ich, dass ich diese Strecke schon einmal mit Thomas und einem Bekannten von ihm gegangen bin. Es geht permanent bergan. Kurz vor Lützelbach zeigt sich eine Regenfront am Himmel. Ich suche sicherheitshalber eine Gaststätte auf. Es ist zwar erst 11:30, aber die Bedienung legt mir schon die Speisekarte vor. Mit einem kleinen Seitenblick nach draußen (es nieselt) entscheide ich mich für einen Schweinkümmelbraten (kleine Portion). Vorher gibt es noch eine Spargelsuppe und als Nachtisch eingemachte Rinsklor (hochdeutsch Reneclauden). Der Himmel klart auf und ich mache mich nach einem kurzen Anstieg auf den Weg ins Tal nach Brandau. Ich komme am Wochenendgrundstück von Thomas vorbei (zum Glück habe ich keine Schlüssel für die Hütte), durchquere Brandau und gehe wieder hoch nach Beedenkirchen. Bei einer kleinen Rast auf dem Hügel mit Sicht auf Beedenkirchen kommt mir der erste Gedankenhopser. Außerdem entwickle ich den Gedanken zum Anlegen eines weiteren Kapitels auf meiner Homepage: „Mein Wanderwörterbuch". Der erste Eintrag wird das Thema Umgehungsstraßen für Wanderer enthalten.

Ich gehe Richtung Felsenmeer auf einem breiten Wanderweg. Plötzlich zeigt das Wanderzeichen nach rechts auf einen steilen schmalen Pfad in den Wald. „Kann nicht sein", sage ich und gehe weiter, werde unsicher und gehe wieder zurück, erklimme den steilen Pfad mit Unterstützung eines Aldi-Stocks, da ich mit der anderen Hand die Attacken von Baumästen auf meinen Rucksack abwehren muss. Nach 50 steilen Metern stehe ich vor dem Odenwalddenkmal. Ich mache eine kurze Verschnaufpause, dann etwas weiter bergan, dann wieder steil bergab, bis ich ca. 20m von meinem letzten Rückkehrpunkt entfernt wieder auf dem breiten Wanderweg lande. Der Begriff des „fakultativen Wanderzeichens" wird geboren.
Jetzt geht es das Felsenmeer abwärts. Es ist noch glatt vom gestrigen Regen und ich brauche 2 Aldistöcke zur Unterstützung. Ich erreiche den Auerbacher Park, verpasse das Wegzeichen des Blütenwegs und stehe plötzlich unten in Auerbach. Ich habe keine Lust Landstraße zu laufen, suche den Blütenweg und mühe mich wieder bergan. Unterwegs treffe ich ein Wandererehepaar, das mich auf die Jakobsmuschel anspricht. Sie begleiten mich bis zum Kirchhäusl. Ich bestelle mir eine „stark verdünnte Weißweinschorle". Hier passiert es mir zum ersten Mal, dass man sich nicht traut den vollen Preis für eine Weinschorle zu nehmen und diesen so stark reduziert, dass der Endpreis unter dem von reinem Wasser liegt. Dann beginnt der halsbrecherische Abstieg über die Betonpiste nach Bensheim, der schon ohne einen Rucksack eine Herausforderung bedeutet. Wieder sind 2 Aldistöcke erforderlich. Dem Abstieg folgt der Aufbau bei Mariano (Bodega „Der Spanier") mit Weißweinschorle und Krabben in Knoblauch. Zum Glück brauche ich keine Unterkunft mehr zu suchen. Ich schleppe mich und meinen Rucksack die steilen Treppen hoch und falle im Gästezimmer in sofortigen Tiefschlaf. Danke Mariano, Danke Patricia

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Von Patricia geweckt, werde ich dann von Mariano mit einer großen Portion Rühreier begrüßt, die wir zusammen verdrücken. Für die Reise hat er mir ein Riesenbocadillo mit Jamon Serrano auf spanische Art (mit geriebener Tomate und Olivenöl statt Butter) zubereitet. Mit guten Wünschen verabschiedet mache ich mich zunächst auf den Weg in eine Apotheke um das Rezept von Burkhard einzulösen. Schräg gegenüber ist die Praxis einer Zahnärztin, wo ich kurz der Helferin meine Situation schildere (Entfernung eines Backenzahns am Freitag vorher, die Fäden müssen noch gezogen werden.). Ich werde umgehend in ein Behandlungszimmer eskortiert (Merke: Muschel ist wie Privatpatient). Kurz darauf kommt Pamela Anderson zur Tür herein und entfernt mir die Fäden und die Tamponade im Handumdrehen (Sorry Pamela, Du musst noch künstlich ganz schön was zulegen, was dieser Zahnärztin schon von Natur aus gegeben ist!).

Ich folge dem Wanderzeichen Blütenweg ein wenig auf und ab und verliere ihn an einer bankumkleidenden Buche. Ich gerate nach Ober-Hambach und laufe die Straße entlang nach Unter-Hambach und finde eine Kirche und ein offenes Gemeindebüro. Zufall? Mein erster Stempel im Pilgerpass ist von meiner Heimatgemeinde, der Michaelsgemeinde. Wo bin ich gelandet? Beim katholischen Pendant St. Michael! Ich werde von 2 sehr netten Damen begrüßt, in die Küche gebeten, wo gerade das Mittagessen zubereitet wird und erhalte eine Mischung aus Multivitaminsaft und Wasser. Eine herrliche Erfrischung zu diesem Zeitpunkt. Ich bin der erste Jakobspilger, der hier vorbeischaut und sich seinen Stempel holt. Mit dem Bedauern, dass der Pfarrer noch nicht wieder da ist, werde ich herzlich verabschiedet. Weiter geht es nach Heppenheim. Irgendwo verwechsle ich das „blaue B" für Burgweg mit dem „gelben W" für Blütenweg. Konsequenz: Hoch zur Starkenburg und wieder runter. Aufwärts fehlt mir die Luft, abwärts geht es über einen steilen, schmalen Waldpfad mehr in Zehen und Knie. Unterwegs muss ich mehrere reisende Bäche überqueren (die bei dem Regen vor ein paar Tagen und nach dem Überschwemmungsgebiet zu urteilen reißend gewesen sein müssen). Ich treffe eine dicke fette Weinbergschnecke mitten auf dem Weg, die sich wohl verirrt hat. Ich überlege, ob ich sie mitnehmen und an einem Weinberg wieder aussetzen soll. Ich lasse es. Sie hat ja Zeit in Hülle und Fülle. In Heppenheim angekommen, gehe ich weiter in Richtung des Blütenwegzeichens. Auf der Straße gegenüber läuft eine blonde gut aussehende Frau. Sie blickt kurz freundlich zu mir herüber und denkt: „Der sieht nicht so aus, als ob er unter Brücken schläft". Ich denke: „Die kennst Du doch" und rufe „Ursel?". Sie dreht sich um - und – sie ist es. Eine Schulkameradin, die jetzt in der Nähe von Heppenheim wohnt (Ursel melde Dich per e-mail, wenn Du das liest). Sie ist in Eile (gibt Unterricht, die Schüler warten), zeigt mir nachdem ich geschildert habe, was ich vorhabe, noch eine Abkürzung durch die Stadt. In Richtung Weinheim, wo ich eigentlich übernachten will. Ich verfehle ich mehrfach den Weg, da jetzt noch zu den beiden B's noch das Zeichen des Weinlagenwanderwegs hinzukommt. Dieser ist zwar weitgehend identisch mit den beiden B's, führt aber zumindest an diesen Tagen in Sackgassen, an deren Ende leere Weinzelte für den Folgetag stehen. Vor Hemsbach ziehen Wolken auf. Es beginnt schauerartig zu regnen. Ich hole meine Regenjacke aus dem Rucksack und marschiere weiter. Ich beschließe nicht wie geplant nach Weinheim weiter zu gehen, sondern eine Übernachtungsmöglichkeit in Hemsbach zu suchen (Etappenziel verfehlt, Tageskilometer weit überschritten). Ich stehe vor dem Hotel „Zum Ritter".

Überraschung . Das Hotel wird von Muselmanen betrieben (Ritter, Kreuzzüge??) ohne den Namen zu ändern. Es sind aber sehr freundliche Türken, die zum Glück nichts mit dem Matamoros (= Maurentöter, Beiname vom heiligen Jakob)) zu tun hatten. Meine Muschel findet hier keine Beachtung. Ich frage, da ich Hunger habe, wann das Restaurant öffnet. „Erst in einer Stunde, aber ich kann Ihnen ein paar Köfte machen". Ich nehme dankend an, verspeise die Frikadellen mit jeder Menge Reis und einem großen Salat, begleitet von 2 Flaschen Bier. An der Theke befindet sich ein großes Aquarium mit 3 Goldfischen (Gibt es jetzt auch schon Triaden bei den Türken, Yücel?). Ich bin total müde und verabschiede mich schon um 18:00 auf mein Zimmer und schlafe gegen 19:30 ein.

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Heute sitze ich schon um 7:00 bei einem ausgiebigen Frühstück. Der Kaffee ist so schwarz, dass sogar ich noch etwas Milch dazugebe. Der Gastwirt fragt mich, ob ich mir noch ein Brötchen für den Weg machen will. Ich lehne dankend ab, habe an dem Aufgenommenen schon genug zu schleppen. Ich steuere wieder den Blütenweg an und brauche geschlagene 2,5 Stunden nach Weinheim, werde aber mit herrlichen Aussichten entschädigt. Weder Väter (Es ist Vatertag), noch Maiwanderer sind um diese Zeit zu sehen. In Weinheim setze ich mich für eine Stunde auf den wunderschönen Marktplatz und schaue dem Feiertagstreiben zu. Ich suche noch ein Internetcafe. Eines gibt es nicht mehr, ein zweites ist geschlossen. Also weiter.

Der Blütenweg, den ich jetzt mehrfach verliere und wiederfinde (ich halte mich an den Radweg nach Heidelberg) geht jetzt zum Glück mehr oder weniger plan durch ein Villengebiet, wo als Zweitwagen Porsche, BMW und Mercedes stehen, über Lützelsachsen, Großsachsen,und Leutershausen nach Schriesheim. Dort finden sich im alten Stadtkern 2 Zelte mit Bratwurst, Steak und Getränken. Die Geschichte mit der stark verdünnten Weinschorle funktioniert wieder. Auch die Bratwurst ist lecker. Weiter geht es nach Heidelberg. Der Unterschied Wanderweg – Radweg ist hier klar auszumachen. Der Radweg ist nicht zu verfehlen. Es gibt sehr viele Hinweisschilder, die zum Teil wohl als Duplikate billig erstanden oder wiederverwendet wurden. Ich merke das daran, dass an einer Stelle die Entfernung nach Heidelberg 13 km beträgt. Etwa 2 km weiter sind es immer noch 13 km, während nach weiteren 500 Metern mich ein Schild mit 8,5 Kilometern begrüßt. Ansonsten ist es sehr öde, da Radfahrer im Gegensatz zu Fußgängern nicht grüßen, wenn sie überholen oder entgegenkommen. Außerdem ist die Bankdichte pro Kilometer um ein Vielfaches geringer als bei Wanderwegen. Und auf die Füße geht der asphaltierte Weg auch noch. Ich komme in Heidelberg Handschuhsheim an, muss aber noch quer durch eine Gartenbaulandschaft zur Jugendherberge im Neuenheimer Feld. Dort finde ich noch ein Bett in einem 6er Zimmer. Es gibt dort Internetplätze in einem optisch ausgezeichneten Zustand aber stark in der Funktionsweise beschränkt. Ich mühe mich ab ein Kapitel zu schreiben, schaue nach meiner Wäsche und mir die 0:4 Bayernpleite bei St. Petersburg an. 1Pizza und 2 Sylvaner gestalten das Ganze erträglich. Auf meinem Zimmer sind inzwischen 3 Chinesen eingetroffen. Ich hoffe sie haben gut geschlafen. Sie waren jedenfalls schon weg als ich aufwache.

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02.05.2008 Heidelberg – Schwetzingen
Gut gefrühstückt checke ich in der Jugendherberge aus und hole mir einen Stempel für den Vortag (Niemand erreicht am Himmelfahrtstag, Gemeindebüros zu, Pfarrer in den Kirchen beschäftigt).
Da ich bisher nach einer Odenwaldkarte gelaufen bin und den Rest der Strecke ab Speyer als Kartenmaterial bei mir habe, versuche ich heute ohne Karte nach Speyer zu kommen. In der Jugendherberge gibt es einen Infostand. Da ich ja schon aus dem Internet weiß, dass es für diese Strecke keine Wanderrouten gibt, frage ich trotz der schlechten Erfahrungen von gestern nach einer Fahrradroute. Da gibt es die Odenwald-Madonnenroute, die nach Speyer führt, die sei draußen vor der Jugendherberge ausgeschildert, erfahre ich. Ich gehe zur Straße, sehe ein Fahrradschild mit Aufschrift Innenstadt. Ich gehe in die Richtung, fotografiere noch schnell einen Bären und meinen Rucksack vor einer Blumenwiese . Es geht den Neckar entlang, an der städtischen Hundewiese, wo laut Hinweistafel die Hunde nur angeleint laufen dürfen. Ich sehe jede Menge Herrchen und Frauchen mit Leine, aber ohne Hund am anderen Ende (Dazu demnächst mehr im Kapitel Gedankenhopser). Ich komme zu einer Brücke. Das Fahrradschild zeigt weiter in Richtung Innenstadt, da will ich aber nicht hin. Ich beschließe die Brücke zu überqueren und nach Himmelsrichtung zu laufen.

An der Ausfahrstraße Richtung Autobahn nach Darmstadt komme ich nicht weiter. Ich halte einen Radfahrer an und frage nach dem Weg nach Speyer. „Du wollen zu Fuß, das ist aber sehr weit. Du müssen gehen über Eppelheim Schwetzingen. Davorne ist Brücke geht über Straße, 400m" ist die Antwort. Ich bedanke mich für die freundlichen Hinweise. Die 400m waren gut geschätzt. Ich überquere die Brücke und stehe vor einem großen Rohbau der „Heidelberger" und der Internationalen Schule Heidelberg. Ich frage einen Passanten, der aus Richtung Schule kommt. Der bestätigt mir, dass ich über die Brücke gekommen bin, dass es aber über die Bahngleise beliebig schwierig wird, kein Übergang. Er schickt mich auf der anderen Straßenseite zurück zum Bahnhof. Dort betrete ich die Information und frage erneut. Da gibt es den Kurpfalzradweg, der führt über Schwetzingen nach Speyer und beginnt an der Brücke davorne. Statt mir in der Bahnhofsbuchhandlung eine Karte zu besorgen, stapfe ich los. Da ist das Schild. 28km bis Speyer. Das ist zwar im Bereich meiner Möglichkeiten, aber nicht auf geteerten Radwegen. Ich beschließe die auf den Schildern über dem Autobahnzubringer angezeigten 9 km bis Schwetzingen zu laufen und von dort meine Frau anzurufen. Sie war hier auf der Rechtspflegerschule, es ist Freitag und vielleicht hat sie ja Lust mir Schwetzingen zu zeigen, bevor ich unauffindbar im Pfälzer Wald verschwinde. Ich folge frohgemut dem Fahrradweg im 5km/h-Tempo. Die Freude nimmt allerdings immer mehr ab, da der Weg nur durch einen Seitenstreifen bzw. schmales Grün von dem Zubringer verläuft. Trotzdem gehe ich weiter, da mir mittlerweile angezeigt wird, dass ich mich auf dem Odenwald-Madonnen-Weg befinde. Plötzlich biegt der Weg ab und geht quer durch die Felder. An einer Kreuzung werde ich unsicher wie es weitergeht, da Hinweisschilder fehlen (normalerweise dann geradeaus). Ein Radfahrer kommt mit Kind im Schlepptau. Ich halte ihn an und frage. Nach rechts geht es nach Schwetzingen, sagt er, aber das ist kein schöner Weg. Besser Sie gehen davorne rechts unter der Autobahn durch. Davorne ! Das gibt ein eigener Artikel im Lexikon!

Ich laufe ein Stück und finde einen Weg davorne. Ich biege rechts ab und stehe nach 500m vor der Autobahn. Ich habe leider keinen Spaten dabei, um mir einen Tunnel zu graben. Ich biege also links ab und gehe die Autobahn entlang. Es kommt ein Wall und ich sehe die Oberkante eines Autobahntunnels. Ich erklimme den Wall, und bremse zum Glück noch rechtzeitig, denn da unten ist keine Straße, sondern ein Kanal. Die Autobahn könnte man hier nur schwimmend unterqueren. Also die 500m wieder zurück und den übernächsten Abzweig genommen (der nächste ist ein weiterer Kanal). Jetzt geht es unter der Autobahn durch. Der Weg geradeaus führt zu den gelben Engeln, die gerade einer Horde Jugendlicher Sicherheitstraining verabreichen. Die hochschießenden Wassersäulen und die Fahrgeräusche der Autos übertönen mein Rufen. Mein Armewinken sieht niemand. Der weitere Weg ist durch ein umzäuntes Grundstück des örtlichen Energieversorgers gesperrt. Ich gehe zurück und nehme den Weg nach links. Kurz darauf teilt sich der Weg in zwei Wege. In Richtung des einen Weges ist wieder der Odenwald-Madonnen-Weg zu finden. Jetzt steht hier aber nicht mehr Schwetzingen, sondern Reilingen. Na ja, kann ja trotzdem nicht falsch sein. Ich gehe ca. 2,5 km und stehe wieder an einer Kreuzung. Ich setzte mich auf eine Bank und vernichte den Rest meiner Wasservorräte. Eine Gruppe älterer Radfahrer naht und macht auch Pause. Es sind Belgier, dazu absolute Profis in Sachen radwandern. Sie waren schon vor 2 Jahren mit dem Rad in Santiago. Ich studiere die ausführlichen Fahrradkarten und sehe, dass der Odenwald-Madonnen-Weg nach Bruchsal und nicht nach Speyer führt! Ich finde einen breiten Waldweg Richtung Schwetzingen. Am Ende des Waldwegs verzweigt er nach links und nach rechts. In der Ferne taucht ein Jogger auf. Er ist kaum zu bremsen. Ich verderbe ihm wohl eine neue persönliche Bestleistung. "Davorne rechts geht es nach Oftersheim, durch Oftersheim durch und Sie sind in Schwetzingen". Ich nehme den nächsten größeren Waldweg rechts, laufe ca. 1 km, bis mich eine Kiesgrube stoppt. Der Weg geht nach rechts, um dann noch einmal nach rechts zu gehen. Ich lande auf der soeben verlassenen Querstraße ca. 150m vom Einstiegspunkt entfernt. Also den übernächsten "davorne". Der ist breiter und führt mich nach 2km an eine y-Verzweigung, wo mich zum Glück 2 Walkerinnen in die richtige Richtung schicken. Ich strande ca. 50m von einem Golfplatz entfernt, wo die Golfer ihre Langstrecken mit einem Wägelchen zurücklegen. Ich halte ein Auto an. Ein freundlicher älterer Herr erklärt mir ausführlich den Weg und ich erreiche nach weiteren 5 km Oftersheim. Ich greife in dem nächsten Lokal wieder zur stark verdünnten Weinschorle und Rigatoni mit Putenstreifen. Ich rufe Elsie an und sage ihr, dass ich mich wieder melde, wenn ich in Schwetzingen bin. Ich lasse mir den Weg dorthin erklären und komme zufällig an einem Internetcafe vorbei, in dem ich diese Artikel bis hierhin beschrieben habe.
Von hier aus wird das Hotel gebucht und als Treffpunkt mit Elsie ausgemacht. Ich frage nach dem Weg dorthin. Mein Rucksack wird gemustert. „Das ist aber sehr weit, mindestens 1 km". Was ist für mich heute schon weit? Ich erreiche schließlich das Hotel Berlin, dusche kurz und hau mich auf das Bett, bis Elsie anruft, dass sie unten steht. Dabei sind Manfred und Elfriede sowie meine Tochter Meike mit Freund David, dessen Vater sich im „Welde" zu uns gesellt. Ich beschließe einen Ruhe- und Dokumentationstag in Schwetzingen einzulegen, zumal hier ein richtig großes Stadtfest stattfindet.

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Ich verbringe den Ruhetag zwischen Internetcafe und Stadtfest. Also Schwetzinger, Euer Stadtfest ist wirklich ein Besuch wert! Abends verspüre ich ein leichtes Zwicken über der rechten Ferse. Die ersten Anzeichen der von den Experten angekündigten Malessen?

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